Irina Liebmann

In Heines Manier: Das Haus des neunten November

(Vortragszeit, 30 Minuten)

Textprobe:

1
Vor kurzem im Bett irgendwann, da
War schon der Sommer zuende, ich dachte an Weihnachten und meinen Mann
Und betrachtete so meine Wände. Ich dachte, das ist nun mein Haus.
Dann rief jemand an.
Und erzählte, dass bald wieder Feiertage und der neunte November zum zehnten Mal, und ob ich nicht Lust hätte
Etwas zu schreiben, denn
Das Datum sei ideal.
Für mich, meinte der Redakteur, denn ich hätte die richtige Bildung,
Aus dem Osten sind Sie und sind auch kritisch und
Sie denken auch noch politisch, also,
ZEHN JAHRE NEUNTER NOVEMBER er würde sich freun, und übrigens, wenn ich Was schriebe, dann
Solls nicht über heute, nein, das machten alle, dann solls über morgen sein.
Die Zukunft.
Sagte es, legte auf und ich
Wollte es mir überlegen, und
Betrachtete so meine Wände und dachte, das ist nun mein Haus.
Dann dachte ich
NEUNTER NOVEMBER
Dieses historische Datum das gabs für die Deutschen
Dreimal in diesem Jahrhundert, was
Tatsächlich jeden verwundert, und dann
Schlief ich ein.

Wachte auf – da regnet es draussen und ist schon winterlich und
In meinem Zimmer da stehen zwei Männer, recht ernst und wunderlich
Sie tragen schwere Mäntel und ziehn sie auch nicht aus
Sie blicken herum und sagen laut
Soso, das ist nun Ihr Haus.
Jaja, sage ich, das ist es, besser ist es nicht geworden,
Aber wer bittesehr sind Sie?

Wir sind hier zwei Gesandte, zwei Geschickte sind wir hier,
Wir kommen um Ihnen zu helfen, denn Sie hatten sich grade gewundert.

Das stimmt, sagte ich, es ist richtig, ich konnte nicht verstehn, wieso sind in Deutschland mit solcher Wichtigkeit
Drei neunte November geschehn?

Ach Gott, sagte da der eine,
Wenns weiter nichts ist, das ist ein modernes Land,
Historische Daten entscheiden sich hier
Schon lange nicht mehr auf dem Mist,
Die werden entschieden.

In Heines Manier: Das Haus des neunten November