Irina Liebmann

Ist denn nirgendwo was los?

(veröffentlicht in: Irina Liebmann „Quatschfresser“, Theaterstücke, Frankfurter Verlagsanstalt 1990)

Textprobe:

Zimmer, darin ein Mann, der sich langweilt, Stimme einer Frau aus dem Nebenzimmer

Zimmervermieterin: Sechs Uhr, Herr Müller! (Betritt den Raum) Sie müssen fahren, Herr Müller.
Müller: Ich fahre nicht.
Zimmervermieterin: Sie fahren jedes Wochenende nach Hause.
Müller: Warum eigentlich?
Zimmervermieterin: Weil Sie eine Familie haben!
Müller: Weil Sie Ihre Wäsche in meinem Zimmer trocknen wollen.
Zimmervermieterin: Ihre Frau wäscht wohl nicht am Wochenende?
Müller: Sonst könnte sie die Wäsche ja nicht in meinem Zimmer trocknen.
Zimmervermieterin: Ich denke, Sie haben auch einen Garten.
Müller: Wir haben auch ein Zementwerk.
Zimmervermieterin: Na, dafür kann ich aber nichts. Sie gehören nun mal dahin.
Müller: Warum eigentlich?
Zimmervermieterin: Das hätten Sie mal früher fragen sollen, aber bitte nicht mich. Fahren Sie nun?
Müller: Nein.

Ist denn nirgendwo was los?